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Entwicklung im Stickerquartier von Flawil

Das zentral gelegene Stickerquartier in Flawil ist geprägt von einer prägnanten und einheitlichen Baustruktur, die sich grösstenteils aus sogenannten Stickerhäusern zusammensetzt. Diese kleinmassstäblichen, im Grundriss meist quadratischen Bauten, die aus der Blütezeit der Stickerei-Industrie stammen, wurden als Wohn- und Arbeitsstätten genutzt. Die um die 100 Jahre alten Gebäude sind sanierungsbedürftig. Sie sind in der Regel als Fachwerkhäuser – oft mit gemauertem Sockelgeschoss – mit einem einfachen Baustandard erstellt. Die kleinen Parzellen schränken die bauliche Nutzung stark ein, denn Neubauten sind in dieser Form heute wirtschaftlich kaum mehr tragbar. Der zusätzliche Wohnraumbedarf wird mit Anbauten befriedigt und es entsteht zusehends ein Sammelsurium unterschiedlicher Ausführungen. Die Umgebung der Stickerhäuser ist ursprünglich nicht auf den motorisierten Verkehr ausgelegt worden, sodass sie vermehrt als Parkierungsfläche verbraucht wird – mit entsprechend negativen Auswirkungen auf das Ortsbild. Mit der baulichen Verdichtung sieht sich das Quartier in seiner Identität gefährdet.

Historische Aufnahme des Stickerquartier von Flawil um 1935


Ein privates Baukonsortium und Grundeigentümerin von drei zusammenhängenden Grundstücken mitten in diesem Stickerquartier, beauftragte die raum.manufaktur.ag mit der Organisation und Begleitung eines privaten Studienauftrags. Im Lichte der ortsbaulichen Bedeutung des Areals, sollte über einen Studienauftrag mit fünf eingeladenen Architekturbüros die beste Lösung für eine Wohnüberbauung an der Kronenstrasse evaluiert werden. Aus dem Studienauftrag wurden konkrete Lösungsvorschläge zur Bebauung, Erschliessung und Gestaltung des Perimeters erwartet. Neben einer auf die geschützte Baustruktur abgestimmte hochwertige Gestaltung und Architektur, stand die Auseinandersetzung mit den städtebaulichen, freiräumlichen und erschliessungstechnischen Anforderungen im Vordergrund. Die Schaffung von möglichst attraktiven Wohnräumen unter Berücksichtigung einer ortsverträglichen Dichte mit einer möglichst optimalen Ausnützung und der daraus resultierenden Wirtschaftlichkeit, stellte dabei eine besondere Herausforderung dar.


Das Beurteilungsgremium empfahl der Auftraggeberin, das Projekt des Teams Allemann Bauer Eigenmann Architekten AG / Andreas Geser Landschaftsarchitekten aus Zürich weiter bearbeiten zu lassen.

Quelle: Allemann Bauer Eigenmann Architekten, AG


Der Projektvorschlag überzeugte insbesondere durch eine Strategie, die gewissermassen in die DNA des Quartiers eindringt und dabei die Beziehungen zwischen Stadttextur und Hauseinheit weiterbaut. Zusammenfassend überzeugte der ortsbauliche Ansatz. Namentlich durch die sinnfällige Setzung, Körnung und Durchbildung der Neubauten, die eine klare Haltung und eine identitätsstiftende Verdichtung an diesem Ort schafft.


Das Ergebnis des Studienauftrags wird nun zu einem Richtprojekt weiterentwickelt, welches als Basis für das nachfolgende Sondernutzungsplanverfahren dient.


Wir gratulieren dem siegreichen Team und wünschen der Bauherrschaft viel Gelingen in der weiteren Projektbearbeitung.


Die weiteren Projekte:

Quelle: air architekten ag / Daniel Cavelti Architektur AG / schoch tavli Architektur AG / Studio O


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